Zeit haben für Familie und Beruf

Zeit haben für Familie und Beruf

Nicht genug Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu haben. Dieses Gefühl haben viele Menschen im Dialog beschrieben. Ob für den Beruf, die Familie oder die eigene Freizeit. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Betreuung und Arbeitszeiten, ein Ausbau von Home-Office Arbeitsplätzen, aber auch mehr Zeit für sich - das ist den Menschen wichtig.

Nicht genug Zeit für die wichtigen Dinge im Leben zu haben. Dieses Gefühl haben viele Menschen im Dialog beschrieben. Ob für den Beruf, die Familie oder die eigene Freizeit. Eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexible Betreuung und Arbeitszeiten, ein Ausbau von Home-Office Arbeitsplätzen, aber auch mehr Zeit für sich - das ist den Menschen wichtig.

Freie Zeit ist heute ein hohes Gut, vor allem in einer Welt, die nach immer mehr Arbeit und Stress schreit.
aus einer Online-Antwort vom 18. August 2015

Familie und Arbeit - ein Leben in Balance

Mit der gestiegenen Erwerbsbeteiligung von Frauen ist die faire Aufteilung der Zeit für Familie und Beruf zwischen den Partnern sowie die Vereinbarkeit ein wichtiges Thema unserer Zeit geworden. Frauen und Männer sind davon nach wie vor in unterschiedlicher Weise betroffen. Männer arbeiten überwiegend in Vollzeit und häufig länger. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit und unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit. Bei berufstätigen Müttern mit minderjährigen Kindern liegt die Teilzeitquote bei rund 70 Prozent, bei Vätern dagegen bei rund sechs Prozent.1

Arbeit bietet Freude, Spaß, Entfaltung - aber es werden immer mehr Zeitopfer verlangt.
aus dem Bürgerdialog der evangelischen Landjugendakademie Altenkirchen am 24. Juni 2015

Der Indikator Vergleich der tatsächlichen und gewünschten Arbeitszeit misst, inwieweit Menschen ihre Arbeitszeitwünsche realisieren können. Der Indikator gibt annäherungsweise Auskunft über die Zufriedenheit der Menschen mit ihrer Zeitverwendung.

Die tatsächlichen Arbeitszeiten von Männern und Frauen unterscheiden sich nach wie vor stark – trotz Annäherung. Zwar ging die tatsächliche Arbeitszeit seit 2000 bei beiden Geschlechtern zurück, hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, dass dies im Fall der Frauen überwiegend auf den Zuwachs der Teilzeitbeschäftigung zurückzuführen ist. Bei Männern wird der Abstand zwischen tatsächlicher und vereinbarter Arbeitszeit etwas kleiner. Bei Frauen nimmt dieser Abstand eher zu.

Gewünschte, vereinbarte und tatsächliche Arbeitszeit von Frauen und Männern 2000 bis 2015

Inwieweit Menschen ihre Arbeitszeitwünsche tatsächlich umsetzen können, hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen davon, ob sich die Vorstellungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern decken. Kann zum Beispiel dem Wunsch nach flexibler Arbeitszeit entsprochen werden? Zum anderen hängt es davon ab, ob sich berufstätige Ehe- oder Lebenspartner auf ein Modell einigen können, wie sie die Zeit für Erwerbsarbeit und Familie untereinander aufteilen.

Wie sieht es mit Ihrer Arbeitszeit aus?

Sind Sie mit ihrer Arbeitszeit zufrieden oder arbeiten Sie länger als Ihnen lieb ist? Oder würden Sie gerne mehr Stunden arbeiten?

In Studien wie dem Sozio-oekonomischen Panel werden repräsentativ ausgewählte Personen2 zu ihrer tatsächlichen Wochenarbeitszeit und ihren Arbeitszeitwünschen befragt.

Die Daten zeigen, wie viele Stunden die erwerbstätige Menschen in Deutschland tatsächlich pro Woche arbeiten und wie lange sie gerne arbeiten würden – getrennt für Frauen und Männer.

Vergleichen Sie ihre wöchentliche Arbeitszeit

Geben Sie ein, wie viele Stunden Sie tatsächlich pro Woche arbeiten und wie viele Stunden Sie gerne arbeiten würden.

Die schwarzen Kreise markieren Ihre Angaben zu tatsächlicher und gewünschter Arbeitszeit und vergleicht diese mit den Angaben zu tatsächlicher und gewünschter Arbeitszeit aller Erwerbstätigen in Deutschland.

Unter den Abbildungen können Sie ablesen, wie viel Prozent der erwerbstätigen Männer und Frauen in Deutschland mehr oder weniger Stunden pro Woche arbeiten als Sie. Und wie viel Prozent aller Erwerbstätigen sich wünschten mehr bzw. weniger Stunden zu arbeiten.

Quelle: Berechnungen des DIW Berlin, SOEPv32.1.

Was tut die Bundesregierung?

Mit dem Aktionsprogramm „Perspektive Wiedereinstieg“ und durch das neue Elterngeld-Plus erleichtert die Bundesregierung jungen Eltern die Rückkehr ins Berufsleben.

Mehr Flexibilität für Familien

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fordert die Menschen – insbesondere dann, wenn beide Elternteile berufstätig sind. Die Dialogteilnehmer waren sich weitgehend einig: Eine umfassendere Kinderbetreuung und flexiblere Arbeitszeiten sind der richtige Ansatz. Der Ausbau der Ganztagsbetreuung in Schulen, Kindertagesstätten und Horten war ein viel diskutierter Aspekt.

Junge Menschen sollten sich nicht mehr für Arbeit oder Familie entscheiden müssen. Beides sollte Hand in Hand gehen.
aus einer Online-Antwort vom 22. Juni 2015

Die Kinderbetreuungsquote setzt die Zahl der in Kindertageseinrichtungen oder durch Tagesmütter betreuten Kinder ins Verhältnis zur Gesamtzahl aller Kinder einer Altersgruppe. Die Ganztagsquote misst den Anteil der Kinder, die an Wochentagen mindestens sieben Stunden betreut werden, wobei die Betreuung durch Kindertageseinrichtungen, die öffentlich geförderte Kindertagespflege, Horte oder Ganztagsschulen erfolgen kann. Die Kinderbetreuung ist entscheidend für die Erwerbstätigkeit von Eltern, insbesondere der von Müttern.

Seit 2006 zeichnet sich eine positive Entwicklung ab. Die Ganztagsquote der Unter-3-Jährigen ist bis zum Jahr 2016 deutlich angestiegen. Auch die Ganztagsquote der 3- bis Unter-6-Jährigen hat sich im gleichen Zeitraum klar erhöht. Letztere lag mit knapp 45 Prozent zweieinhalb mal so hoch wie bei den Unter-3-Jährigen.

Entwicklung der Ganztagsquoten
Ganztagsquoten der Unter-3- und der 3- bis Unter-6-Jährigen auf Kreisebene 2016

Regional zeigen sich starke Unterschiede: Die Ganztagsquoten in den ostdeutschen Bundesländern lagen im Jahr 2016 deutlich höher als in den westdeutschen Bundesländern.

Die Ganztagsquote von Kindern unter drei Jahren lag in den ostdeutschen Bundesländern mit knapp 40 Prozent drei Mal höher als in den westdeutschen Bundesländern mit 13 Prozent. Bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren war die Ganztagsquote in den ostdeutschen Ländern mit knapp 74 Prozent annähernd doppelt so hoch wie in den westdeutschen Ländern mit knapp 38 Prozent.

Zwischen 2009 und 2015 ist auch die frühkindliche Betreuung von Kindern mit Migrationshintergrund gestiegen. 2015 lag sie aber immer noch unter der Betreuungsquote von Kindern ohne Migrationshintergrund. Besonders deutlich ist der Unterschied bei den Unter-3-Jährigen: Nur 22 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund wurden in Kindertageseinrichtungen oder durch Tagesmütter betreut; bei Kindern ohne Migrationshintergrund waren es hingegen 38 Prozent. Bei den drei bis unter Sechsjährigen liegt die Differenz bei sieben Prozentpunkten (97 gegenüber 90 Prozent).3

Der Betreuungsbedarf hört nach dem Kindergartenalter nicht auf – im Gegenteil. Die Betreuung der Grundschulkinder findet nachmittags in offenen und gebundenen Ganztagsschulen oder im Hort statt.

Entwicklung des Anteils der Kinder im Grundschulalter in Ganztagsschulen
Entwicklung des Anteils der Kinder im Grundschulalter in Horten

Zwischen den Schuljahren 2005/2006 und 2015/2016 hat sich der Anteil der Kinder in Ganztagsgrundschulen stark erhöht. Im Schuljahr 2015/2016 geht knapp jedes Dritte Schulkind in eine Ganztagsgrundschule. In den westdeutschen Bundesländern ist der Anteil im vergangenen Jahr um einen Prozentpunkt auf 27,5 Prozent gestiegen. In den ostdeutschen Bundesländern ist der Anteil leicht rückläufig, liegt mit knapp 55 Prozent aber doppelt so hoch, wie in den westdeutschen Bundesländern. Gleichzeitig ist auch die Nachmittagsbetreuung in Horten gestiegen. Insgesamt hat die Ganztagsbetreuung in allen Altersgruppen erheblich zugenommen.

Was tut die Bundesregierung?

Grundlegend für diese Entwicklung sind neben der Anstrengung der Länder auch die Unterstützung des Bundes. Die Bundesregierung hat seit dem Start des Programms „Zukunft Bildung und Betreuung“ 2003 bereits viel für eine Verbesserung der Kinderbetreuung getan. Die Bundesregierung unterstützt die Länder und Gemeinden beim Ausbau der Kindertagesbetreuung für Unter-3-Jährige seit 2015 mit 845 Millionen Euro jährlich. 2017 und 2018 erhalten Länder und Kommunen zusätzlich 100 Millionen Euro jährlich für die Betriebs- und Personalkosten. Mit dem Bundesprogramm „KitaPlus“ fördert die Bundesregierung mit 100 Millionen Euro ganztägige Betreuungseinrichtungen.

Betreuung von Kindern und Pflege von Angehörigen – ein Balanceakt

Ausreichende und flexible Betreuungsmöglichkeiten für ihre Kinder und pflegebedürftigen Familienangehörigen. Das lag den Bürgerinnen und Bürgern am Herzen. Betreuungsaufgaben mit der eigenen Erwerbstätigkeit in Einklang zu bringen, stellt für viele Menschen, insbesondere für Frauen, die hier nach wie vor die Hauptverantwortung tragen, eine große Herausforderung dar. Ein Teilnehmer des Bürgerdialogs beim Zentralverband des Deutschen Handwerks in Berlin am 29. Juni 2015 brachte diesen Konflikt auf den Punkt.

Früher war die Pflege von Familienangehörigen normal, heute wird aber erwartet, dass man auch noch arbeiten geht.

Wenn Menschen zuhause selbst Angehörige pflegen oder Kinder betreuen, bleibt die Anerkennung oft aus. Und das berufliche Fortkommen kann auf der Strecke bleiben. Der Konflikt kann über den Indikator Arbeitszeitverkürzung für Betreuungsaufgaben abgebildet werden. Zu den Betreuungsaufgaben zählen die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Angehörigen.

Der Indikator misst zumindest annäherungsweise den Betreuungsbedarf. Um zukünftig bessere Aussagen über Betreuungsbedarfe und Einschränkungen der Erwerbstätigkeit treffen zu können, sind weitere Datenerhebungen notwendig.

Einschränkung der Erwerbstätigkeit wegen Kinderbetreuung und Pflege 2006 bis 2016

Immer mehr Menschen schränken ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von Betreuungsaufgaben ein. Der Anteil ist zwischen 2006 und 2016 von 17 auf knapp 25 Prozent gestiegen. Der überwiegende Anteil der Befragten nennt als Hauptgrund für die Einschränkung der Erwerbstätigkeit die Betreuung von Kindern.

Aufgabe der Erwerbstätigkeit wegen Kinderbetreuung und Pflege 2006 bis 2016

Erhöht hat sich auch der Anteil der Personen, die ihre Erwerbstätigkeit wegen Kinderbetreuung und Pflege ganz aufgeben. Im Jahr 2006 gaben noch 8 von 100 Befragten an, dass sie ihre Erwerbstätigkeit wegen Betreuungsaufgaben ganz aufgegeben haben. 2016 waren das 12 von 100 Befragten.

Vorwiegend Frauen übernehmen diese Betreuungsaufgaben. Der demografische Wandel wird die Situation zukünftig verschärfen. Mehr Menschen stehen vor der Herausforderung, Erwerbstätigkeit und die Pflege von Angehörigen zu vereinbaren.

Was tut die Bundesregierung?

Der Bund hat die Leistungen für die ambulante Pflege und die stationäre Pflege erhöht. Neben der finanziellen Förderung steht auch die Entlastung pflegender Angehöriger im Fokus der Bundesregierung. Seit dem 1. Januar 2015 erhalten Beschäftigte mehr zeitliche Flexibilität und Sicherheit, um ihre Angehörigen selbst pflegen zu können.

Lange Arbeitswege, weniger Zeit

Für viele Bürgerinnen und Bürger ist der Weg zur Arbeit verlorene Zeit. Sie steht weder für die Arbeit, die eigene Familie oder die Freizeitgestaltung zur Verfügung. Die Arbeit insgesamt deutlich mobiler und flexibler zu gestalten. Eine Verbesserung der Straßen, Schienen und Radwege. Aber auch mehr unterstützende Technik, wie ausreichend schnelle und flächendeckende Breitband- und Mobilfunkverbindungen. Alles das kann die Notwendigkeit langer Arbeitswege verringern und die Lebensqualität weiter verbessern.

Mit der heutigen Technologie wäre in vielen Bereichen eine Flexibilisierung der Arbeitszeit und des Arbeitsortes möglich und gut machbar.
aus einer Online-Antwort vom 26. Juni 2015

Als Indikator für die Pendeldauer wird der Anteil der Erwerbstätigen in Deutschland, die länger als eine halbe Stunde für ihren Arbeitsweg benötigen, herangezogen.

Entwicklung des Anteils der Erwerbstätigen mit einem Arbeitsweg über 30 Minuten

In Deutschland gibt es einen Trend zur längeren Pendeldauer. Knapp 27 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland pendelte 2016 täglich länger als eine halbe Stunde von ihrem Wohnort zur Arbeit. Jeder Zwanzigste unter den Berufstätigen ist Fernpendler, das heißt knapp 1,6 Millionen Menschen pendeln tagtäglich über eine Stunde zur Arbeit.

Die Deutschen ziehen aber auch immer seltener für die Arbeit um. Sie wollen im gewohnten Umfeld bleiben und nehmen dafür längere Pendeldauern in Kauf. Hier zeigt sich, Pendeln ist eine individuelle Entscheidung. Der Staat kann aber Rahmenbedingungen schaffen, die den Menschen auch längere Wege zum Arbeitsplatz erleichtern.

In Ballungsräumen und in den Stadtstaaten gibt es einen Trend weg vom Auto hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad. Auf dem Land ist es umgekehrt: Immer mehr Pendler fahren mit dem eigenen Auto zur Arbeit. Häufig auch mangels guter Alternativen im öffentlichen Personennahverkehr.

Nutzung verschiedener Verkehrsmittel durch Pendler 2000 und 2016

Bei den Pendlern, die über eine Stunde zur Arbeit fahren, gibt es den höchsten Anteil von Bahnfahrern – mit steigender Tendenz. Der Anteil der Fernpendler mit PKW ist aber weiter sehr groß.

Was tut die Bundesregierung?

Mit dem Bundesverkehrswegeplan 2030 investiert und modernisiert die Bundesregierung die Verkehrsinfrastruktur für eine bessere Mobilität in Stadt und Land. Um Pendlern das Leben zu erleichtern, fördert der Bund flexible Arbeitsbedingungen. Der Dialogprozess Arbeit 4.0 ist Grundlage für ein Weißbuch, das Maßnahmen für modernes Arbeiten definiert.

Fussnoten

  1. 1

    Klenner, C. und Lillemeier, S. (2015): Gender News: Große Unterschiede in den Arbeitszeiten von Männern und Frauen. WSI Report 22/2015.

    ↩︎

  2. 2

    In der Statistik wird zwischen der Grundgesamtheit und der Stichprobe unterschieden. Bezogen auf die deutsche Wohnbevölkerung umfasst die Grundgesamtheit alle Personen, die zu einem bestimmten Stichtag in Deutschland wohnen. Von einer Stichprobe spricht man, wenn beispielsweise für den Zweck einer Umfrage aus der Grundgesamtheit Personen ausgewählt werden. Dieser Auswahlprozess erfolgt nach dem Zufallsprinzip, das heißt es steht nicht im vorhinein fest, welche Personen an der Befragung teilnimmt. Eines der zentralen statistischen Gesetze stellt sicher, dass auf Basis von ausreichend großen Stichproben Rückschlüsse auf die Grundgesamtheit gezogen werden können.

    ↩︎

  3. 3

    Autorengruppe Bildungsberichterstattung (2016): Bildung in Deutschland 2016. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Bildung und Migration. Bertelsmann: Bielefeld. Für die Daten zur Bildungsbeteiligung von unter Sechsjährigen in Tageseinrichtungen und Tagespflege vgl. S. 170 f.

    ↩︎

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