Zuhause sein in Stadt und Land

Zuhause sein in Stadt und Land

Bezahlbarer Wohnraum, eine gute Verkehrsanbindung, schnelles Internet und eine wohnortnahe Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Das sind Themen, die Menschen im Dialog mit Lebensqualität verbanden. Allerdings diskutierten die Menschen diese Themen unterschiedlich. Im ländlichen Raum wurde z.B. eher über fehlende Breitbandanschlüsse oder Mobilitätsprobleme gesprochen, in den Städten häufiger über zu teure Wohnungen.

Bezahlbarer Wohnraum, eine gute Verkehrsanbindung, schnelles Internet und eine wohnortnahe Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Das sind Themen, die Menschen im Dialog mit Lebensqualität verbanden. Allerdings diskutierten die Menschen diese Themen unterschiedlich. Im ländlichen Raum wurde z.B. eher über fehlende Breitbandanschlüsse oder Mobilitätsprobleme gesprochen, in den Städten häufiger über zu teure Wohnungen.

Das Rückgrat der Republik: eine gute Infrastruktur.
aus einer Online-Antwort vom 14. April 2015

Mit entscheidend für die Lebensqualität vor Ort ist die regional sehr unterschiedliche Bevölkerungsdichte sowie die Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten. Das politische Ziel der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse soll ein gutes Leben in allen Regionen Deutschlands sicherstellen. Diese stehen vor ganz unterschiedlichen Herausforderungen.

Bei der Bevölkerungsdichte gibt es in Deutschland ausgeprägte regionale Unterschiede.

In fast einem Fünftel der deutschen Landkreise und kreisfreien Städte leben weniger als 100 Menschen je Quadratkilometer. Im am dichtesten besiedelten Zehntel sind es über 1.500 Menschen.

Bevölkerungsdichte nach Kreisen zum Jahresende 2015

Für wirtschaftsstarke Landkreise, wie zum Beispiel im Münchner Umland, wird bis 2035 ein Bevölkerungswachstum um bis zu 22 Prozent prognostiziert. In strukturschwächeren Landkreisen wird ein starker Bevölkerungsrückgang erwartet.1

Bevölkerungsentwicklung nach Kreisen 2012 bis 2035

In 18 Kreisen in Ostdeutschland wird die Bevölkerung Prognosen zufolge um ein Viertel bis ein Drittel schrumpfen. Zum Beispiel ist in Oberspreewald-Lausitz ein Rückgang um 32 Prozent vorhergesagt. Aber auch westdeutsche Landkreise sind betroffen, zum Beispiel der Landkreis Wunsiedel mit -20,9 Prozent.

Bezahlbare Wohnungen

Gerade beim Thema Wohnen und Wohnraum bestehen große Stadt-Land-Unterschiede. Während in strukturschwachen Gebieten mit hoher Abwanderung Leerstände zunehmen, herrscht in Ballungsräumen vielfach Wohnungsmangel, insbesondere im niedrigeren Preissegment. Viele Bürgerinnen und Bürger haben im Dialog darüber diskutiert, wie wichtig bezahlbarer Wohnraum ist, vor allem für Familien, Niedrigverdiener und junge Menschen. Besonderer Handlungsbedarf wurde vor allem in Großstädten wie München oder Frankfurt am Main gesehen.

Die Hälfte meines Nettogehalts geht allein (!) für das Dach über meinem Kopf weg, also für meine Wohnung, die Nebenkosten, Gas und Strom. Bedeutet: Die Hälfte eines Monats, also zwei Wochen lang, arbeite ich nur, um mir eine Wohnung in meiner Stadt leisten zu können.
aus einer Online-Antwort vom 19. Oktober 2015

Die Ausgaben für Wohnraum sind für die meisten Privathaushalte der größte monatliche Posten ihrer Konsumausgaben. Der Indikator Anteil der Wohnkosten am Haushaltseinkommen bezieht sich auf Miethaushalte.

Er gibt Aufschluss darüber, wie hoch der Anteil des monatlich verfügbaren Einkommens ist, den Menschen für Wohnraum inklusive der kalten und warmen Wohnnebenkosten aufwenden müssen. 2013 waren 57 Prozent aller Haushalte in Deutschland Miethaushalte.

Anteil der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen für Miethaushalte 1991 bis 2014

Von 1991 bis Mitte der 2000er Jahre ist der Anteil der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen der Menschen in Deutschland von 21 auf 29 Prozent gestiegen. Das heißt, die Menschen haben im Schnitt einen immer größeren Teil ihres verfügbaren Einkommens für ihre Wohnung ausgegeben. Anschließend hat er sich kaum noch verändert.

Dahinter liegen jedoch regional und lokal sehr unterschiedliche Entwicklungen – vor allem ein Anziehen der Preise in wirtschaftlich starken Ballungsräumen, Metropolen und Innenstädten.

Diese Entwicklung kann durch zahlreiche Faktoren erklärt werden. Unter anderem durch geringe Einkommenszuwächse in den unteren Einkommensgruppen und Veränderungen bei staatlichen Zuschüssen zu den Wohnkosten. Aber auch Entwicklungen auf dem Mietmarkt durch den demografischen Wandel, Zuzüge in den Städten und Wegzüge auf dem Land oder Wohnungsneubauraten. Zuletzt haben sich auch die persönlichen Präferenzen der Menschen mit der Zeit verändert, zum Beispiel hin zu größeren Wohnungen.

Im europäischen Vergleich ist die Wohnkostenbelastung in Deutschland überdurchschnittlich. Hier ist jedoch zu beachten, dass es in Deutschland einen hohen Wohnungsstandard und einen großen Mietwohnungsmarkt mit gut ausgestatteten Wohnungen gibt. Hohe Mietquoten gibt es auch in Dänemark, in den Niederlanden und in der Schweiz. Diese Länder haben oft ähnlich hohe Mietkosten im Verhältnis zum Einkommen wie Deutschland.

Anteil der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen für Miethaushalte differenziert nach Einkommensklassen 2014

Im Großen und Ganzen gilt in Deutschland: Je niedriger das Einkommen, desto höher die anteilige Belastung durch die Wohnkosten.

Die 20 Prozent der Menschen in Deutschland mit den niedrigsten Einkommen (1. Quintil) geben im Schnitt rund 37 Prozent ihres verfügbaren monatlichen Budgets für Kaltmiete, Warmwasser und Heizung aus. In der nächsten Einkommensklammer (2. Quintil) sind es durchschnittlich nur 26 Prozent. Bei den oberen 20 Prozent sind es 17 Prozent.

Allerdings gilt: Die niedrigsten Einkommensgruppen sind von Preissteigerungen prozentual immer am stärksten betroffen.

Welcher Anteil des monatlichen Einkommens für Wohnkosten reserviert ist, hängt auch stark davon ab, ob Menschen alleine leben und ob sie Kinder haben. Single-Haushalte unter 35 und über 60 haben die höchsten Anteile der Wohnkosten am verfügbaren Einkommen, jeweils gut ein Drittel. Bei Alleinerziehenden liegt der Wert etwas unter einem Drittel. Paare mit und ohne Kinder geben für ihre Wohnung den geringsten Teil ihres verfügbaren Einkommens aus.

Anteil der Wohnkosten am Haushaltsnettoeinkommen für Miethaushalte differenziert nach Haushaltstypen 2014

Was tut die Bundesregierung?

Mit der Wohnungsbau-Offensive hat die Bundesregierung den Rahmen für mehr Wohnraum gesetzt. Die Mietpreisbremse hat einen Beitrag dazu geleistet, den Anstieg der Mietpreise zu dämpfen. Auch das Wohngeld wurde 2016 deutlich erhöht.

Allen Menschen Mobilität ermöglichen

War bezahlbarer Wohnraum im Dialog eher ein Thema mit Blick auf die Städte und Ballungsräume, wurde die Bedeutung öffentlicher Verkehrsmittel stärker in Bezug auf den ländlichen Raum diskutiert. Dabei sprachen die Bürgerinnen und Bürger häufig über die Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen, Anbindung und Taktung sowie die Notwendigkeit, verschiedene Verkehrsmittel besser aufeinander abzustimmen.

Mein Sohn braucht drei verschiedene Tickets, um die 25 km zu seinem Ausbildungsplatz im Nachbarbundesland zu fahren. Die Zeiten der Bahnen und Busse sind nicht aufeinander abgestimmt.
aus dem Bürgerdialog des BMEL in Weischlitz vom 28. Oktober 2015

Die Erreichbarkeit von Bildungs-, Versorgungs- und Kultureinrichtungen ist nicht nur unter Versorgungsaspekten für die Bürgerinnen und Bürger wichtig. Sie erfüllen auch eine wichtige soziale Funktion und sind Treffpunkte für die Bevölkerung. Für die Attraktivität der Lebensbedingungen und des Wohnumfeldes der Menschen ist auch die Erreichbarkeit kultureller Angebote mitentscheidend.

Öffentliche Verkehrsmittel ermöglichen Mobilität und gesellschaftliche Teilhabe für alle gesellschaftlichen Gruppen, ob für Jüngere und Ältere, Menschen mit Behinderung oder andere, die nicht selbst fahren wollen oder können. Rund 5,5 Millionen Deutsche (sieben Prozent) lebten 2014 in Haushalten, die sich kein Auto leisten können oder wollen. Die Hälfte der Familien mit Kindern hat zwar ein Auto, ist aber für die Mobilität aller Familienmitglieder in vielen Fällen auf Busse und Bahnen angewiesen.

Der Indikator Fahrzeit zu Bildungs-, Versorgungs- und Kultureinrichtungen misst, wie schnell Menschen in Deutschland von zu Hause mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Auto in sogenannte Mittelzentren und Oberzentren gelangen.

Fahrzeit zu Bildungs-, Versorgungs- und Kultureinrichtungen 2016

Mit dem Auto braucht nur ein Prozent der deutschen Bevölkerung länger als 30 Minuten bis in das nächstgelegene Mittelzentrum.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln benötigt man hingegen in vielen ländlichen Regionen schon in der Hauptverkehrszeit, d.h. morgens zwischen 6:30 und 8:30 Uhr, eine Stunde oder länger, um in das nächste Mittel- oder Oberzentrum zu kommen. Für fast ein Drittel der Bevölkerung ist dafür eine halbe Stunde oder mehr nötig – weit länger als mit einem PKW.

Häufig ist der ÖPNV in den ländlichen Gebieten an den Schülerverkehr gekoppelt. Deshalb ist die Fortbewegung hier außerhalb der Hauptverkehrszeiten, insbesondere in den Schulferien und an Wochenenden erheblich schwieriger.

Auch wenn fast alle Menschen in Deutschland im Jahr 2016 Bushaltestellen und knapp vier von zehn Menschen einen Bahnhof fußläufig erreichen konnten, erlauben die Statistiken keine Aussage darüber, wie regelmäßig und in welchen Zeiträumen öffentliche Verkehrsmittel fahren.2 Über die Taktung der unterschiedlichen Linien entscheiden die Länder und Kommunen in ihren Ausschreibungen.

Was tut die Bundesregierung?

Der Bund unterstützt die Länder in Sachen öffentliche Verkehrsmittel – mit steigenden Fördermitteln und innovativen Pilotprojekten. Mit dem Nationalen Radverkehrsplan 2020 fördert die Bundesregierung den Radverkehr.

An der Digitalisierung teilhaben

Gerade jüngere Teilnehmerinnen und Teilnehmer betonten im Dialog, wie wichtig schnelles Internet für ihre Lebensqualität ist. Sie möchten einen guten Zugang zu Internetanwendungen haben, die ein zentraler Bestandteil ihres Soziallebens sind. Bei allen Teilnehmern bestand ein großes Bewusstsein für die umfassenden Chancen der Digitalisierung und der Wunsch nach optimalen Bedingungen für die Teilhabe an dieser Entwicklung. Über die Breitbandzugänge am Arbeitsplatz und zu Hause hinaus wurden mobiles Internet und das mangelnde Angebot an öffentlichen WLAN-Hotspots im Bürgerdialog thematisiert.

Es fehlt an Internet in manchen Ecken des Landes. Wie soll ein Schüler ohne Internet in der heutigen Zeit noch etwas lernen?
aus einer Online-Antwort vom 7. Juli 2015

Der Indikator Breitbandversorgung misst, wie viel Prozent der Haushalte und Unternehmen Zugang zu einer Internetverbindung mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde haben. Der Indikator bildet die digitale Infrastruktur in Deutschland ab.

Regionale Unterschiede in der Breitbandversorgung: Mitte 2017 war in Deutschland schon für knapp 77 Prozent der Haushalte der Zugang zu einem Internetanschluss mit über 50 Mbit/s möglich. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr. In ländlichen Gemeinden sind im Schnitt mehr als 36 Prozent der Haushalte an eine schnelle Breitbandversorgung angebunden.

Die Karte zeigt für jeden Landkreis: Je dunkler die Einfärbung, desto mehr Haushalte sind an eine schnelle Breitbandversorgung angebunden.

Wählen Sie ihre Gemeinde oder Stadt aus:

Die Punkte ordnen die Breitbandversorgung für rund 400 Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland an - von links nach rechts, von der niedrigsten bis zur höchsten Versorgung mit schnellem Internet. Jeder interaktive Punkt steht für einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt zum Jahresende 2016.

Welche Fortschritte hat der Breitbandausbau in den letzten fünf Jahren gemacht? Die transparenten Punkte blenden die Werte für die Breitbandversorgung in den Landkreisen und kreisfreien Städten für 2010 im Vergleich an. Der Breitbandausbau ist in ganz Deutschland vorangeschritten. Erkunden Sie selbst, was sich in den letzten sechs Jahren getan hat.

Knapp die Hälfte der Landkreise und kreisfreien Städte war 2010 noch nicht an die Breitbandversorgung angeschlossen: In 195 von rund 400 Landkreisen war vor sechs Jahren kein Haushalt oder weniger als ein Prozent der Haushalte mit schnellem Internet versorgt.

In den 40 Landkreisen und kreisfreien Städten mit der besten digitalen Infrastruktur sind mehr als 9 von 10 Haushalte an die schnelle Breitbandversorgung angeschlossen. Spitzenreiter ist die Stadt Regensburg. Hier sind fast alle Haushalte (99,6 Prozent) mit schnellem Internet versorgt. Unter den 40 Spitzenreitern finden sich vor allem kreisfreie Städte und sogenannte Stadtkreise. Eine Ausnahme sind der Hochtaunuskreis und der Odenwaldkreis.

Knapp die Hälfte der Landkreise mit der besten digitalen Infrastruktur in 2016 hatten im Jahr 2010 noch einen Versorgungsgrad von weniger als 1 Prozent.

In den 40 Landkreisen mit der geringsten Anbindung sind weniger als 46 Prozent oder weniger Haushalte und Unternehmen mit schnellem Breitbandinternet versorgt. Schlusslicht ist der Wartburgkreis in Thüringen. Hier sind rund 19 von 100 Haushalten an das schnelle Internet angebunden. Regionale Schwerpunkte für schlechte Versorgung sind in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

In diesen 40 kreisfreien Städten und Landkreisen hat sich in den vergangenen sechs Jahren viel bewegt. Im Jahr 2010 waren hier im Durchschnitt weniger als ein Prozent aller Haushalte und Unternehmen mit schnellem Breitbandinternet versorgt. Dieser Anteil ist in der Zwischenzeit um mindestens 90 Prozentpunkte gestiegen. Am schnellsten und umfassendsten war der Ausbau in der Stadt Rosenheim. Hier waren 2010 nur 0,2 Prozent der Haushalte mit Breitbandinternet versorgt. 2016 waren es insgesamt 99,5 Prozent und damit fast alle Haushalte.

Quelle: BMVI, TÜV Rheinland.
Geometrische Grundlage: © GeoBasis-DE / BKG 2016.Aktualisierte Daten

Was tut die Bundesregierung?

Die Bundesregierung fördert im Rahmen der „Digitalen Agenda“ den Breitbandausbau gezielt auch dort, wo er sich für die Anbieter wirtschaftlich nicht rechnet.

Fussnoten

  1. 1

    Die Raumordnungsprognose wird zurzeit vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung überarbeitet. Dies betrifft insbesondere die Annahmen zur Fertilität, Mortalität und der regionalen Entwicklung der Binnenwanderungen. Eine langfristige Vorhersage der Außen- und Binnenwanderung ist mit großer Untersicherheit behaftet. Trotz dieser Unsicherheit werden die regionalen Unterschiede in der demografischen Entwicklung weiterhin Bestand haben: Die großen Städte und strukturstarken Regionen werden mehr Menschen anziehen und weiter wachsen. In den strukturschwachen und vor allem peripheren, ländlichen Räume wird dagegen der Rückgang der Bevölkerung anhalten.

    ↩︎

  2. 2

    Vgl. Daten des Deutschen Mobilitätspanels.

    ↩︎

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