Sicher und frei leben

Sicher und frei leben

Sich im eigenen Umfeld sicher fühlen, zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Sorge unterwegs zu sein - das war den Menschen im Dialog wichtig. Ob an öffentlichen Plätzen, zu Hause, in Bussen oder Bahnen. Sie wollen sich geschützt wissen, von einer gut ausgestatteten Polizei und einer durchsetzungsfähigen Justiz.

Sich im eigenen Umfeld sicher fühlen, zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Sorge unterwegs zu sein - das war den Menschen im Dialog wichtig. Ob an öffentlichen Plätzen, zu Hause, in Bussen oder Bahnen. Sie wollen sich geschützt wissen, von einer gut ausgestatteten Polizei und einer durchsetzungsfähigen Justiz.

Ich möchte ein Leben ohne Angst. Ohne Angst vor Gewalt in der Öffentlichkeit.
aus dem Bürgerdialog des Lesben- und Schwulenverband Deutschland in Berlin am 5. Mai 2015

Positives Sicherheitsgefühl, spezifische Ängste

Viele Menschen empfinden Unsicherheit. Sie haben Angst davor, Opfer einer Straftat zu werden. Diese gefühlte Sicherheit spielt eine große Rolle für die Menschen.

Gemessen wird das subjektive Sicherheitsgefühl über die so genannte affektive Kriminalitätsfurcht. Sie beschreibt die Furcht der Bürgerinnen und Bürger davor, selbst Opfer einer Straftat zu werden. Ermittelt wird diese Furcht durch den Viktimisierungssurvey 2012. Gefragt wurde unter anderem, wie sicher sich die Menschen nachts in ihrer Wohnumgebung fühlen.

Kriminalitätsfurcht 2012

In Deutschland lebt die große Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger relativ angstfrei. Mehr als 80 Prozent gaben an, sich nachts in ihrer Wohnumgebung eher sicher oder sehr sicher zu fühlen. Gleiches gilt für die Furcht vor spezifischen Straftaten wie Raub, Einbruch, Körperverletzung oder sexueller Belästigung. Auch hier gibt die überwiegende Mehrheit an, gar nicht oder nur leicht beunruhigt zu sein.

Die Angst, Opfer einer kriminellen Handlung zu werden, variiert relativ stark zwischen verschiedenen Personengruppen: Insbesondere Frauen fürchten sich häufiger vor Kriminalität als Männer und ältere Menschen häufiger als Jüngere.

Kriminalitätsfurcht nach Geschlecht 2012

Dieses subjektive Sicherheitsempfinden von Frauen steht im Gegensatz zum objektiven (statistischen) Risiko, Opfer einer Straftat zu werden. So wurden 2016 beispielsweise rund 614.000 Männer in der Polizeilichen Kriminalstatistik als Opfer von Straftaten erfasst, bei den Frauen waren es 404.000.

Kriminalitätsfurcht unterscheidet sich nach Altersgruppen: Die Furcht vor Kriminalität ist bei älteren Menschen im Allgemeinen stärker ausgeprägt. Bei einzelnen spezifischen Straftaten wie Körperverletzung, Raub oder sexueller Belästigung ist die Furcht dagegen bei jungen Menschen weiter verbreitet. Insgesamt nehmen Ängste vor Kriminalität mit fortschreitendem Lebensalter zunächst ab und im Rentenalter wieder zu.

Kriminalitätsfurcht nach Altersgruppen 2012

Die allgemeine Kriminalitätsfurcht ist regional sehr unterschiedlich verbreitet. Die Einwohner Baden-Württembergs, Bayerns und Niedersachsens haben weniger Angst vor kriminellen Übergriffen als die Menschen im restlichen Bundesgebiet. Größere Unsicherheit besteht im Norden und Osten Deutschlands.

Konkret untermauern konnten die Befragten ihre subjektive Wahrnehmung jedoch nicht. Es handelt sich daher meist um eine latente Kriminalitätsfurcht mit unspezifischen Angstgefühlen, die mit der objektiven Bedrohung durch Kriminalität in den Regionen nicht deckungsgleich ist.

Anteil der Bevölkerung mit allgemeiner Kriminalitätsfurcht (ziemlich und sehr stark) in den Bundesländern 2012

Was tut die Bundesregierung?

Das subjektive Sicherheitsgefühl der Menschen ist durch politische Maßnahmen nur indirekt beeinflussbar. Ein umfangreiches Sicherheitspaket stärkt die Sicherheitsbehörden bundesweit, u.a. mit 4.000 neuen Stellen, davon jährlich 1.000 zusätzliche Stellen bei der Bundespolizei, sowie mit Schutzausrüstung und Einsatzmittel.

Erster Anstieg von Gewaltdelikten seit 2007

Sicherheit im täglichen Leben ist mir wichtig. Ich möchte ohne Angst in öffentlichen Verkehrsmitteln reisen, mich auch in Parks und Nebenstraßen sicher fühlen. Die Präsenz der Polizei müsste hierfür erheblich verstärkt werden.
aus einer Online-Antwort vom 25. August 2015

Das Zitat der Bürgerin zeigt ein bekanntes Dilemma auf: Das Sicherheitsempfinden der Menschen ist ein wesentlicher Aspekt von Lebensqualität. Es stimmt jedoch nicht immer mit der Kriminalitätslage überein.

Als neutraler Gradmesser bildet die polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) jährlich die Art der Straftaten und ihre Häufigkeit ab. Aus der Fülle verfügbarer statistischer Daten wurde die Anzahl der Gewaltstraftaten und Eigentumsdelikte als Indikator ausgewählt.

Erfasste und aufgeklärte Fälle von Gewaltkriminalität 1993 bis 2016

Die PKS führt sämtliche Kriminalitätsdelikte auf, die der Polizei gemeldet wurden und veröffentlicht die entsprechenden Aufklärungsquoten. Sie bildet damit das so genannte Hellfeld der bundesdeutschen Kriminalität ab. Keine Auskunft gibt die PKS über das Dunkelfeld, also der Polizei nicht bekannt gewordener Straftaten.

Positiv ist: Gewaltdelikte, wie z.B. Raub und Körperverletzung, sind im gesamten Bundesgebiet zwischen 2007 und 2015 zurückgegangen. 2016 kam es jedoch zu einem Anstieg der Gewaltdelikte. Gezählt wurden rund 193.500 Fälle von Gewaltkriminalität. Ein Anstieg von mehr als sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr als 75 Prozent aller Gewaltdelikte wurden aufgeklärt.

Weniger Diebstahlskriminalität: Nach der Zunahme im vergangenen Jahr, ist die Diebstahlkriminalität 2016 rückläufig. Das trifft auch auf Wohnungseinbruchdiebstähle zu. 2016 wurden 151.000 Fälle registriert. Sie umfassen sowohl den versuchten als auch vollendeten Wohnungseinbruchsdiebstahl.

Die Aufklärungsquoten bei den Diebstahlsdelikten sind im Vergleich zur Aufklärung der Gewaltstraftaten unbefriedigend. Sie sind sogar seit 1998 gesunken.

Erfasste und aufgeklärte Fälle von Diebstahlkriminalität 1993 bis 2016

Regionale Unterschiede sind augenfällig: So sind die Stadtstaaten im Gesamtvergleich deutlich stärker von Kriminalität betroffen. Bei den Flächenstaaten ist ein Nord-Süd-Gefälle zu erkennen. In Baden-Württemberg und Bayern wurden 2015 deutlich weniger Fälle von Gewaltstraftaten und Diebstahlsdelikten registriert als im restlichen Bundesgebiet.

Gewaltkriminalität nach Bundesländern 2016
Diebstahlkriminalität nach Bundesländern 2016

Angesichts der hohen Zahl von Wohnungseinbrüchen ist der Schutz vor Haus- und Wohnungseinbrüchen ein sicherheitspolitischer Schwerpunkt. Alle staatlichen Ebenen sind gefordert, aktiv zu werden und Maßnahmen zu ergreifen.

Was tut die Bundesregierung?

Seit 2012 läuft die bundesweite Öffentlichkeitskampagne K-EINBRUCH. Auf der Internetseite können sich Bürgerinnen und Bürger über einen wirksameren Schutz ihres Wohneigentums informieren. Ein Förderprogramm der KfW unterstützt den Einbau einbruchshemmender Produkte mit bis zu 1.500 Euro.

Mehr Respekt und Toleranz

Toleranz und ein rücksichtsvoller Umgang miteinander - das waren wichtige Aspekte im Bürgerdialog. Gesellschaftliche Vielfalt in Meinungen, Lebensmodellen, Religionen und Weltanschauungen hatte für die Bürgerinnen und Bürger einen hohen Wert. Sie waren sich einig: Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung, Glaube oder Herkunft sollte keinen Platz in der Gesellschaft haben.

Mir ist der gegenseitige Respekt wichtig, egal wer ich bin, woher ich komme, ein gutes Miteinander
aus dem Bürgerdialog des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Berlin am 30. Juni 2015

Differenziert sprachen die Bürger über den Umgang mit Migranten und Flüchtlingen: Von Gastfreundschaft und dem Wunsch nach Integration über Skepsis wie gut sich Integrationsprozesse beeinflussen lassen, bis hin zur Sorge über die Aufnahmekapazität der Gesellschaft. Die Bürgerinnen und Bürger betonten in diesem Kontext auch ihre Sorge mit Blick auf die Zunahme rechtsextremistischer Gewalt bis hin zu rechtsradikalem Terror. In dieser Entwicklung sahen sie eine große Gefahr für den Rechtsstaat, die es dringend abzuwehren gilt.

Als ein Indikator für Intoleranz gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen können die Fallzahlen zur Hasskriminalität aus der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität (PMK) herangezogen werden. Bei Hasskriminalität handelt es sich um Straftaten, die durch gruppenbezogene Vorurteile motiviert sind.

Hasskriminalität gesamt und fremdenfeindlich 2001 bis 2016

2016 erreichte die Hasskriminalität den Höchstwert seit Einführung der Statistik 2001. Nach der deutlichen Steigerung von 77 Prozent zwischen 2014 und 2015, ist die Hasskriminalität zwischen 2015 und 2016 um knapp vier Prozent angestiegen. Für die hohen Fallzahlen im Bereich Hasskriminalität sind in erster Linie fremdenfeindliche Straftaten verantwortlich. Diese sind im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent angestiegen. Auch antisemitische Straftaten sind 2016 häufiger als im Vorjahr. Der Anstieg betrug 7,5 Prozent.

Strafbare „Hasspostings“1 im Internet bleiben auf hohem Niveau. Nach dem starken Anstieg von 176 Prozent zwischen 2014 und 2015, setzt sich der Trend fort, allerdings fällt der Anstieg 2016 mit einem Plus von drei Prozent geringer aus.

Was tut die Bundesregierung?

Die Bundesregierung wirkt Hasskriminalität mit einer Strategie zur Demokratieförderung und Extremismusprävention entgegen.
Mit den Bundesprogrammen „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ und "Zusammenhalt durch Teilhabe" werden Vereine, Projekte und Initiativen, die sich der Förderung von Demokratie und Vielfalt widmen, finanziell unterstützt.

Vertrauen in Polizei und Staat

„Wir brauchen nicht nur Regeln und Gesetze, sondern diese Regeln und Gesetze müssen auch eingehalten werden.“ Damit beschreibt ein Teilnehmer des Bürgerdialogs an der Berliner Charité am 31. Mai 2015 zutreffend die wesentliche Kernaufgabe des Staates.

Regeln, die im alltäglichen Zusammenleben befolgt werden. Gesetze, die konsequent umgesetzt werden. Eine gut ausgerüstete und präsente Polizei. Gerichte, die Urteile zügig fällen. Das ist den Bürgerinnen und Bürgern wichtig. In Deutschland sorgen Polizei und Justiz auf Bundes- und Länderebene für Ordnung, Sicherheit und Recht. Das Vertrauen der Menschen in die staatlichen Organe ist entscheidend für einen Rechtsstaat.

Gemessen wird das Vertrauen in die Polizei im Deutschen Viktimisierungssurvey 2012. Er bildet die subjektive Wirksamkeit von Polizeiarbeit ab.

Bewertung der örtlichen Polizeiarbeit allgemein 2012

Insgesamt fällt die Bewertung der Polizeiarbeit durch die Bürgerinnen und Bürger erfreulich gut aus. Eine große Mehrheit der Befragten ist mit der Arbeit der örtlichen Polizei zufrieden.

Bewertung der örtlichen Polizeiarbeit 2012

Das Vertrauen sinkt bei Bürgerinnen und Bürgern, die schon einmal Opfer einer Straftat geworden sind. Gleiches gilt für Menschen, die zuletzt negative Erfahrungen mit der Polizei hatten.

Auch das nachbarschaftliche Umfeld beeinflusst das Vertrauen in die Polizeiarbeit. Bürger mit enger nachbarschaftlicher Bindung vertrauen der Polizeiarbeit mehr. Geringe Bindung zur Nachbarschaft geht mit weniger Vertrauen in die Polizei einher.

Staatliche Institutionen sind ein vertrauensbildender Faktor für die Bürgerinnen und Bürger. Die öffentliche Akzeptanz und Präsenz der örtlichen Polizei ist ein wesentlicher Baustein für mehr Lebensqualität in Deutschland. Es gilt, die Qualität der Polizeiarbeit in Deutschland weiter zu verbessern.

Was tut die Bundesregierung?

Mehr Personal, zusätzliche Einsatzmittel und bessere Schutzausrüstungen für die Sicherheitsbehörden - das ist Teil des „Sicherheitspaketes“ des Bundes für 2016.

Fussnoten

  1. 1

    Für Hasspostings im Internet gibt es keine eigenständige Kategorie in der Statistik. Die Fallzahlen wurden über eine Abfrage des Themenfelds "Hasskriminalität" unter Eingrenzung auf das Tatmittel "Internet" ermittelt.

    ↩︎

© 2016 – 2017 Bundesregierung soweit nicht anders gekennzeichnet