Gesund durchs Leben

Gesund durchs Leben

Gesund zu sein und zu bleiben, das bedeutete für die Menschen im Bürgerdialog Lebensqualität. Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das allen Zugang zu guter medizinischer Versorgung gibt – in der Stadt und auf dem Land. Keine langen Wartezeiten auf Termine beim Facharzt, egal ob gesetzlich oder privat versichert.

Gesund zu sein und zu bleiben, das bedeutete für die Menschen im Bürgerdialog Lebensqualität. Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das allen Zugang zu guter medizinischer Versorgung gibt – in der Stadt und auf dem Land. Keine langen Wartezeiten auf Termine beim Facharzt, egal ob gesetzlich oder privat versichert.

Am wichtigsten ist natürlich Gesundheit – und ausreichend Möglichkeiten diese beizubehalten, also ein tragfähiges Gesundheitssystem, das bezahlbare oder kostenfreie Leistungen für alle anbietet.
aus einer Online-Antwort vom 23. Juni 2015

Ein langes, gesundes Leben

Der medizinische Fortschritt macht es möglich: Krankheiten und altersbedingte Schwächen können immer besser behandelt werden. So können viele Menschen gesund durchs Leben gehen.

Die Lebenserwartung bei Geburt eignet sich gut als Maßeinheit für den allgemeinen Gesundheitszustand einer Gesellschaft. Die Lebenserwartung bei Geburt gibt die durchschnittlich zu erwartende Lebensdauer eines neugeborenen Kindes an. Grundlage für die Berechnung der Lebenserwartung sind die aktuellen Sterbetafeln und Bevölkerungszahlen. 2015 lag die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen in Deutschland knapp unter 83 Jahren. Männer wurden im Schnitt 78 Jahre alt.

Seit den späten 1950er Jahren steigt die Lebenserwartung in Deutschland an, Jahr für Jahr um knapp drei Monate. Ein Datenvergleich der deutschen Gesamtbevölkerung mit anderen OECD-Ländern zeigt: Deutschland liegt mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung im Mittelfeld – ein halbes Jahr über dem OECD-Durchschnitt.

Entwicklung der Lebenserwartung bei Geburt

Lebenserwartung regional – große Unterschiede im deutschlandweiten Vergleich: In den knapp 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland unterschied sich die Lebenserwartung bei Geburt in den Jahren 2013 bis 20151 regional deutlich: Spitzenreiter war der Landkreis Starnberg mit 83,3 Jahren. Die Menschen in Bremerhaven lebten mit 77,6 Jahren im Schnitt fast sechs Jahre kürzer.

In allen Landkreisen und kreisfreien Städten leben Frauen deutlich länger als Männer. Frauen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald erreichten mit knapp 85 Jahren das höchste durchschnittliche Lebensalter. Die Frauen im Landkreis Pirmasens hatten mit 80 Jahren die geringste Lebenserwartung bei Geburt. Bei den Männern wurden die Bewohner im Landkreis Starnberg mit 81,5 Jahren am ältesten. Männer in Bremerhaven lebten durchschnittlich 74,3 Jahre.

Wählen Sie ihre Gemeinde oder Stadt aus:

Die Punkte ordnen die Lebenserwartung bei Geburt in den Jahren 2013 bis 2015 für knapp 400 Landkreise und kreisfreie Städte in Deutschland an - von links nach rechts, von der niedrigsten bis zur höchsten Lebenserwartung. Jeder interaktive Punkt steht für einen Landkreis oder eine kreisfreie Stadt.

Die transparenten Punkte zeigen die Lebenserwartung in den Landkreisen und kreisfreien Städten für die Jahre 1995 bis 1997. Wie viele Lebensjahre haben die Menschen seitdem, also in rund 18 Jahren, hinzugewonnen?

Größter Zugewinn an Lebensjahren in Berlin: Je länger die verbindende Linie zwischen den Datenpunkten desto mehr Lebensjahre haben die Bewohner in den Landkreisen und kreisfreien Städten hinzugewonnen. In Berlin waren das mehr als sechs Jahre. Die Hauptstadt war damit Spitzenreiter. Im Landkreis Emden stieg die Lebenserwartung im gleichen Zeitraum um 1,5 Jahre. Mit 80,5 Jahren lag die Lebenserwartung bei Geburt in Berlin zwischen 2013 und 2015 zwei Jahre höher als im Landkreis Emden mit 78,5 Jahren.

Stärkste Zuwächse vor allem in Ostdeutschland: Von den 40 und kreisfreien Städten Landkreisen mit dem deutlichsten Anstieg der Lebenserwartung kommen 38 aus Ostdeutschland. Dennoch liegt die Lebenserwartung in den meisten westdeutschen Landkreisen und Städten im Durchschnitt immer noch über der Lebenserwartung der ostdeutschen.

Regional höchste Lebenserwartung überwiegend in Süddeutschland: Von den 40 Landkreisen und kreisfreien Städten mit der höchsten Lebenserwartung in den Jahren 2013 bis 2015 liegen 33 in Süddeutschland – in Baden-Württemberg oder Bayern.

Niedrige Lebenserwartung – regionale Schwerpunkte verschieben sich: Von den 40 Landkreisen mit der geringsten Lebenserwartung in den Jahren 1995 bis 1997 lagen 39 in Ostdeutschland. Zwischen 2013 und 2015 waren es nur noch 13 Landkreise.

Jeweils acht der 40 Landkreise und kreisfreien Städte mit der geringsten Lebenserwartung in den Jahren 2013 bis 2015 lagen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. In Bayern und Schleswig-Holstein lagen je drei der Landkreise mit der geringsten Lebenserwartung. Aber auch in Rheinland-Pfalz, im Saarland und im Bremen gab es einzelne Landkreise mit einer unterdurchschnittlichen Lebenserwartung.

Erkunden Sie die regionalen Unterschiede.

Was tut die Bundesregierung?

Beispielsweise wird mit dem Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention von 2015 mehr für die Früherkennung von Krankheiten und Krankheitsrisiken getan. Die nationale Präventionsstrategie koordiniert Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit. Die Kranken- und Pflegekassen in Deutschland geben mehr als 500 Millionen Euro jährlich für präventive Maßnahmen aus.

Fit bleiben, bewusst leben

[...] Zugang zu guter Ernährung und Spaß an der Bewegung von Anfang an ist wichtig.
Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Dialog des Bundesministeriums für Gesundheit am 28. Juli 2015 in Berlin

Die Menschen wissen: Ein Leben in Gesundheit hängt nicht nur von der Qualität der medizinischen Versorgung ab, sondern auch vom eigenen Verhalten. Das Themenspektrum im Dialog war entsprechend breit gefächert: von regelmäßiger Bewegung über gesunde Ernährung bis hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und Nikotin. Auch über die Kennzeichnung von Inhaltsstoffen in Lebensmitteln wurde diskutiert.

Ausreichend Bewegung und gute Ernährung sind wichtige Bausteine für die individuelle Gesunderhaltung und nicht zuletzt auch für das eigene Körpergewicht. Der Body Mass Index (BMI) setzt das Körpergewicht einer Person in Bezug zur Körpergröße (kg/m²). Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein Erwachsener ab einem BMI zwischen 25 und unter 30 als übergewichtig. Als fettleibig gelten Menschen mit einem BMI von 30 und höher.

Das Risiko zu erkranken ist bei fettleibigen Menschen erhöht. Dazu zählen Diabetes Typ II, Schlaganfall sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der BMI ist daher ein Indikator für die individuelle Gesundheitsvorsorge. Im Fokus steht die Entwicklung des Anteils der Personen mit einem Body Mass Index von 30 und höher.

Im Zeitraum von 15 Jahren stieg der Anteil der fettleibigen Personen in Deutschland um 36 Prozent. 1999 waren knapp zwölf aus 100 Personen in Deutschland fettleibig, 2013 bereits 15 aus 100 Personen. Männer waren häufiger von Fettleibigkeit betroffen als Frauen.

Entwicklung des Anteils an Fettleibigen nach Altersgruppen 1999 und 2013

Im OECD-Vergleich liegt Deutschland im Mittelfeld. Länder wie die Schweiz, Norwegen und Italien haben nur elf Fettleibige pro 100 Personen. In den Vereinigten Staaten von Amerika, Mexiko oder Neuseeland ist hingegen bereits jeder dritte Erwachsene fettleibig.

Das Risiko für Fettleibigkeit nimmt mit dem Alter zu. Zwischen 1999 und 2013 ist das Risiko fettleibig zu werden in allen Altersgruppen gestiegen. In der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen war der Anteil fettleibiger Männer und Frauen am höchsten. Jeder vierte Mann und jede fünfte Frau dieser Altersgruppe waren fettleibig.

Bei jungen Erwachsenen war zwar nur etwa jede 20. Person fettleibig. Aber die Tendenz steigt: In dieser Altersgruppe sind die größten prozentualen Zuwächse zu beobachten.

Der Anteil der Menschen mit einem BMI von 30 und höher ist zwischen 1999 und 2013 in allen Bundesländern gestiegen. Regionale Unterschiede zeigten sich in der Höhe und in der Entwicklung des BMI. Besonders von Fettleibigkeit betroffen sind die ostdeutschen Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Ein Grund hierfür ist die Altersstruktur in diesen Bundesländern: Die Bevölkerung war hier im Durchschnitt älter.

Entwicklung des Anteils an Fettleibigen nach Bundesländern 1999 und 2013

Der BMI ist ein Indikator für Gesundheit, der stark mit der persönlichen Lebensführung des Einzelnen verbunden ist. Ein hoher Fleisch- und Wurstkonsum sowie stark fett- und zuckerhaltige Lebensmittel stehen nicht im Einklang mit den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für eine gesunde und vollwertige Ernährung. Ernährungsgewohnheiten sind allerdings persönliche Entscheidungen, die – positiv wie negativ – durch das tatsächliche Angebot und individuelle Vorliegen beeinflusst werden. Sie werden bereits in früher Kindheit geprägt. Insofern kommt der Ernährungsbildung große Bedeutung zu.

Was tut die Bundesregierung?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung klärt über die Folgen ungesunder Ernährung auf. Im Verbraucherschutz setzt der Staat auf mehr Transparenz und Informationen, beispielsweise über Beipackzettel zu Medikamenten oder Angaben auf Lebensmittelmittelverpackungen. Die Bundesregierung fördert im Kooperationsverbund „Gesundheitliche Chancengleichheit“ die Qualitätsentwicklung am Beispiel der Prävention von Fettleibigkeit in Kitas. Und auch das Bürgerportal „In Form“ bietet hilfreiche Ernährungs- und Fitnesstipps.

Medizinische Versorgung in Deutschland

Eine gute medizinische Versorgung für alle Bürger ist unverzichtbar für die Lebensqualität. Über das deutsche Krankenversicherungssystem wurde im Dialog engagiert diskutiert. Wichtig war den Menschen, dass ein Arzt vor Ort ist, der sich genügend Zeit für Patienten nimmt und ihnen zuhört. Gute Erreichbarkeit und Verfügbarkeit war vor allem bei den Teilnehmern im ländlichen Raum ein Thema.

Ich wünsche mir, dass eine standortnahe medizinische Versorgung gewährleistet bleibt.
aus dem Bürgerdialog der Diakonissenanstalt Emmaus in Niesky am 20. Oktober 2015

Der Indikator zur Versorgung mit Haus- und Fachärzten misst, wie viele Einwohner ein Arzt durchschnittlich in einer Kreisregion2 versorgt.

Anzahl der Einwohner, die ein Hausarzt pro Kreisregion versorgt 2010 und 2016

Ein Hausarzt versorgte 2016 in Deutschland im Durchschnitt 1.572 Einwohner. Regional gab es jedoch große Unterschiede. In der Kreisregion Garmisch-Partenkirchen kümmerte sich ein Hausarzt um rund 1.100 Einwohner, in Gütersloh hingegen um 2.037 Einwohner. Im Vergleich zu 2010 versorgte ein Hausarzt 2016 im Durchschnitt 33 Einwohner mehr als sechs Jahre früher.

Eine bessere Planung sorgt3 für eine gute flächendeckende Versorgung. In Gebieten mit vielen Hausärzten können sich keine weiteren Ärzte mehr niederlassen. In unterversorgten Gebieten werden Anreize gesetzt, damit sich dort mehr Ärzte niederlassen. In vermeintlich unterversorgten Gebieten hilft auch die Nähe zur Großstadt; Hausärzte dort versorgen das Umland mit.

Einwohner in allen Kreisregionen Deutschland erreichen den nächstgelegenen Hausarzt durchschnittlich innerhalb von knapp sechs Minuten. Für einige Einwohner kann der Weg zum nächsten Hausarzt allerdings auch deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Die kürzesten Anfahrtswege haben Bewohner von Großstädten. Den längsten Anfahrtsweg zum nächstgelegenen Hausarzt haben Bewohner in flächengroßen Landkreisen. So erreichen Bewohner Münchens im Schnitt in 2,4 Minuten Fahrzeit den nächsten Hausarzt. Die Bewohner im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz sind mehr als vier Mal so lange unterwegs – knapp über zehn Minuten.

Durchschnittliche Fahrzeit mit PKW zum nächsten Hausarzt in einer Kreisregion in Minuten 2016
Kürzeste und längste Anfahrtswege zum nächsten Hausarzt in Minuten 2016

Das Prinzip der freien Arztwahl bedeutet: Jeder Versicherte in Deutschland kann seinen Hausarzt frei wählen. Der Indikator kann die allgemeine Erreichbarkeit von Hausärzten abbilden, nicht aber weitere wichtige Aspekte der ärztlichen Versorgung.

Bei allgemeinen Fachärzten sind die regionalen Unterschiede deutlich ausgeprägter: Im Durchschnitt versorgt ein allgemeiner Facharzt 1.438 Einwohner. Im Jahr 2016 reichte die Spannbreite von 440 Einwohnern pro allgemeinem Facharzt in Heidelberg bis 2270 Einwohnern in der Kreisregion Gifhorn. Bei den allgemeinen Fachärzten konzentriert sich die Versorgung viel stärker auf die Städte. Sie müssen das Umland entsprechend mitversorgen.

Zu den allgemeinen Fachärzten zählen Augenärzte, Chirurgen, Frauenärzte, Hautärzte, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Nervenärzte, Orthopäden, Psychotherapeuten, Urologen und Kinderärzte. Fachinternisten, wie beispielsweise Kardiologen oder Gastroenterologen, zählen nicht zu den allgemeinen Fachärzten, sondern zu den spezialisierten Fachärzten. Diese Gruppe wird hier nicht dargestellt.

Anzahl der Einwohner, die ein allgemeiner Facharzt pro Kreisregion versorgt 2010 und 2016

Was tut die Bundesregierung?

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz von 2015 stellt die Bundesregierung eine gut erreichbare medizinische Versorgung auf hohem Niveau sicher – in der Stadt und auf dem Land. Die neuen Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen helfen Patienten mit Überweisungen innerhalb von maximal vier Wochen einen Facharzttermin zu bekommen. Das Krankenhausstrukturgesetz stellt eine flächendeckende stationäre Versorgung sicher.

Pflege und Zuwendung

Auf Pflege angewiesen zu sein, gehört zu den Lebenssituationen, die jeden Menschen im Lebensverlauf treffen können. Das Thema hat die Dialogteilnehmer beschäftigt und wird zukünftig an Bedeutung gewinnen.

Sollte ich in ein Pflegeheim müssen [...] möchte ich menschlich - nicht nach Minuten - gepflegt werden. Sondern nach geistigem & körperlichem Bedarf.
aus einer Online-Antwort vom 12. September 2015

Insgesamt waren zum Jahresende 2015 knapp 2,9 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig. Der Großteil der Pflegebedürftigen wird zu Hause und dabei mehrheitlich von ihren Angehörigen allein versorgt. Knapp 700.000 Angehörige werden von einem Pflegedienst unterstützt. Etwas weniger als ein Drittel aller Pflegebedürftigen lebt dauerhaft in einem Pflege- oder Altenheim.

Anzahl der Pflegebedürftigen nach Art der Versorgung zum Jahresende 2015

Die Datenlage zur Qualität der Pflege ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausreichend. Daher wird kein Indikator zur Messung von Qualität in der pflegerischen Versorgung aufgenommen. Stattdessen wird ein Platzhalter eingefügt. Dieser weist auf zusätzlichen Datenbedarf hin. Ziel der Bundesregierung ist es, diese Lücke bis zum nächsten Bericht zu schließen.

Was tut die Bundesregierung?

Die Bundesregierung hat in dieser Wahlperiode drei Pflegestärkungsgesetze auf den Weg gebracht. So wurden u.a. die Leistungen zur Unterstützung der häuslichen Pflege für Betroffene und ihre Angehörigen deutlich ausgeweitet und flexibilisiert. Zum 1. Januar 2017 führt die Bundesregierung den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff mit einem neuen Begutachtungssystem ein. Für Menschen mit Demenzerkrankungen wird der Zugang zu Leistungen aus der Pflegeversicherung erleichtert. Für eine bessere Qualität in der stationären Pflege wird der „Pflege-TÜV" grundlegend überarbeitet.

Gesundheitsvorsorge für alle

Ein offener und gerechter Zugang zu Gesundheitsleistungen war für die Bürgerinnen und Bürger im Dialog wichtig. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, unabhängig von Einkommen und Wohnort gut versorgt zu sein. Die Trennung von privater und gesetzlicher Krankenversicherung empfanden viele Menschen als ungerecht. Konkret ging es um Unterschiede in der medizinischen Versorgung oder Wartezeiten auf Facharzttermine.

Ein Termin beim Arzt muss davon abhängen, wie dringend der Fall ist, und nicht davon, wer besser zahlt.
aus dem Bürgerdialog von ver.di in Köln am 19. Juni 2015

Um auf mögliche Lücken im Bereich Gesundheit hinzuweisen, ist die Betrachtung des Zusammenhangs von Gesundheit und Einkommen ein Ansatz. Zusammenhänge zwischen Gesundheit und sozio-ökonomischem Faktoren sind sehr komplex. Ob die eigene Gesundheit als gut oder schlecht eingeschätzt wird, ist nicht nur auf einen Faktor, sondern auf viele verschiedene zurückzuführen: Einkommenshöhe, Bildungsstand, Beruf einer Person oder auch das Alter.

Der Indikator Verhältnis von subjektiv eingeschätzter Gesundheit und Einkommen misst die subjektiv eingeschätzte Gesundheit für verschiedene Einkommensgruppen.4

Anteil der Personen, die ihre Gesundheit als „weniger gut“ oder „schlecht“ bzw. „gut“ oder „sehr gut“ einschätzen, differenziert nach Einkommensklassen 2014

Je geringer das Einkommen, desto häufiger wird die eigene Gesundheit als „weniger gut“ oder „schlecht“ eingestuft. In der untersten Einkommensgruppe schätzt jeder Vierte seinen Gesundheitszustand als „weniger gut“ oder „schlecht“ ein. An der Spitze der Einkommensverteilung ist es dagegen nur jeder Zehnte. Die meisten Menschen schätzen ihre Gesundheit jedoch als „gut“ oder „sehr gut“ ein. Bei Menschen mit geringen Einkommen5 sind das 45 Prozent. Bei Menschen mit besonders hohen Einkommen sind es rund 58 Prozent. Kausale Schlussfolgerungen sind nur bedingt möglich: Eine schlechte Gesundheit kann die Einkommenschancen beeinträchtigen. Gleichzeitig kann ein geringes Einkommen eine schlechte Gesundheit nach sich ziehen.

Eine universelle Gesundheitsversorgung aller Menschen zu sichern – das ist Ziel des Sozialstaates. Deshalb sind so gut wie alle Menschen in Deutschland krankenversichert. Gesundheitliche Einschränkungen sollen nicht zu Einkommensarmut führen und umgekehrt.

Was tut die Bundesregierung?

Das Solidarprinzip stellt sicher: Alle Versicherten haben einen gleichen Leistungsanspruch. Ganz gleich, ob sie wenig oder viel verdienen, oder ob sie krank oder gesund sind. Individuelle Zuzahlungen sind einkommensbegrenzt. Das heißt: Geringverdiener oder chronisch Kranke sind mehrheitlich von Zuzahlungen befreit. Außerdem will die Bundesregierung Gesundheit direkt dort fördern, wo Menschen leben, lernen oder arbeiten.