Bildungschancen für alle

Bildungschancen für alle

Gute Bildung - nicht nur wichtig für jeden Einzelnen, sondern Grundlage der Wissensgesellschaft. Gleiche Chancen beim Zugang zu Bildung, gut ausgestattete Schulen, moderne Lerninhalte sowie Möglichkeiten lebenslang zu lernen – das empfanden Bürger als Grundlage für Lebensqualität. Von vielen kritisiert wurde der Bildungsföderalismus.

Gute Bildung - nicht nur wichtig für jeden Einzelnen, sondern Grundlage der Wissensgesellschaft. Gleiche Chancen beim Zugang zu Bildung, gut ausgestattete Schulen, moderne Lerninhalte sowie Möglichkeiten lebenslang zu lernen – das empfanden Bürger als Grundlage für Lebensqualität. Von vielen kritisiert wurde der Bildungsföderalismus.

Bildung - Schlüssel für ein gutes Leben

Schulföderalismus ist überflüssig. Wir müssen die Kleinstaaterei abschaffen, ich sehe nicht ein, warum wir unterschiedliche Abiture haben.
aus dem Bürgerdialog des BMWi in Magdeburg am 7. Juli 2015

Bildung fördert die Orientierung und das Urteilsvermögen der Menschen. Bildung ist aber auch Voraussetzung für eine wettbewerbsfähige Wirtschaft, für gute Arbeit und ein sicheres Einkommen.

Der Indikator Anteil der Menschen mit einem Abschluss der Sekundarstufe II zeigt, wie viele Menschen mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung oder eine Hochschulreife haben. Damit wird der Bildungserfolg, also das Bildungsniveau einer
Gesellschaft und näherungsweise auch die Qualität des deutschen Bildungssystems gemessen.

Wer heute in Deutschland die Hochschulreife erlangt oder eine Berufsausbildung abschließt, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Im Jahr 2016 verfügten in Deutschland rund 87 von 100 Menschen im Alter von 25 bis 64 Jahren über mindestens eine dieser Qualifikationen. - das sind fünf Personen mehr als im Durchschnitt der OECD Länder. Erfreulich ist auch: Jüngere Frauen haben den Rückstand zu den Männern mittlerweile aufgeholt. Der Anteil junger Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren mit Abschluss der Sekundarstufe II liegt sogar knapp über dem Anteil der jungen Männer.

Anteil der Personen mit mindestens einem Abschluss im Sekundarbereich II nach Altersgruppen und Geschlecht 2016

Bildung ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Integration zugewanderter Menschen. Auch hier ist in den Jahren bis 2016 ein Aufholprozess zu erkennen: Der Anteil der Migrantinnen und Migranten, die entweder Hochschulreife oder einen Hochschulabschluss erreichen, nahm bei den jungen Altersgruppen erheblich zu. Dennoch bleibt ein deutlicher Abstand zu den Menschen ohne Migrationshintergrund.

Anteil der Personen mit mindestens einem Abschluss im Sekundarbereich II nach Altersgruppen und Migrationshintergrund 2016

Was tut die Bundesregierung?

Bildung ist laut Grundgesetz (Art. 30 GG) in Deutschland primär Sache der Bundesländer. Der Bund unterstützt die Länder und die Lernenden in Deutschland mit einer Fülle von Maßnahmen, z.B. beim Ausbau der frühkindlichen Bildung und der Ganztagsschulen. Gemeinsam haben sich Bund und Länder beim Bildungsgipfel von 2008 verpflichtet, die Gesamtausgaben für Bildung, Wissenschaft und Forschung auf 10% des Bruttoinlandsprodukts zu steigern. Zu diesem ehrgeizigen Ziel steht die Bundesregierung.

Risiken früh erkennen und verringern

Die Weichen für den Bildungserfolg werden oft früh im Leben gestellt. Fehlende Schul- oder Berufsausbildungsabschlüsse führen zu schlechten Chancen am Arbeitsmarkt. Das diskutierten auch die Bürger. Manche junge Menschen haben Startschwierigkeiten auf dem Bildungsweg. Sie müssen gezielt gefördert werden.

Bildungsteilhabe muss unabhängig vom Einkommen gesichert sein.
aus dem Bürgerdialog der Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh am 8. Mai 2015

Als Indikator dient hier die Risikogruppe der frühen Schulabgänger. Sie sind zwischen 18 und 24 Jahre alt, haben höchstens einen Haupt- oder Realschulabschluss und stehen nicht mehr in Bildung oder Ausbildung.

Ihr Anteil ist in den letzten Jahren gesunken – von rund 13 Prozent im Jahr 2003 auf zehn Prozent in 2016. Allerdings bleiben junge Männer in Deutschland mit knapp elf Prozent etwas stärker gefährdet als junge Frauen mit einem Anteil von unter zehn Prozent. Damit kam Deutschland dem 10-Prozent-Ziel der „EU-2020-Strategie für Beschäftigung und intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum“ sehr nahe.

Europaweit sank der Anteil der frühen Schulabgänger von 16 Prozent im Jahr 2004 auf knapp unter elf Prozent im Jahr 2016. Deutschland liegt damit unter dem europäischen Durchschnitt.1

Entwicklung des Anteils der frühen Schulabgänger an allen Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren nach Geschlecht

Auch unter jungen Migrantinnen und Migranten in Deutschland gibt es heute weniger frühe Schulabgänger als noch vor elf Jahren. 2005 waren das noch 24 Prozent der jungen Menschen mit Migrationshintergrund, 2016 lag der Anteil bei rund 18 Prozent.

Trotz dieser Verbesserung bleibt ein deutlicher Abstand zu den Menschen ohne Migrationshintergrund. Damit Bildung als Motor der Integration funktioniert, sind besondere Anstrengungen nötig – nicht zuletzt, weil 2015 und 2016 viele Flüchtlinge mit geringer formaler Bildung in Deutschland Schutz gesucht haben.

Entwicklung des Anteils der frühen Schulabgänger an allen Personen im Alter von 18 bis 24 Jahren nach Migrationshintergrund

Was tut die Bundesregierung?

Mit der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ werden diejenigen stark gemacht, die für die Bildung von Morgen und Übermorgen Verantwortung tragen. Bedürftige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene erhalten Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket und werden mit Programmen wie z.B. „Kultur macht stark“ oder „Bündnisse für Bildung“ unterstützt.

Faire Chancen auf dem Bildungsweg

Bildungsgerechtigkeit gehörte zu den Themen, die im Bürgerdialog besonders intensiv diskutiert wurden. Die Menschen waren sich einig: Wenn es um Noten und Abschlüsse geht, soll es fair zugehen. Jedes Kind soll auf seinem Bildungsweg möglichst gleich gute Chancen haben. Studien zeigen aber: In Deutschland entscheidet noch immer nicht nur die Leistung, sondern auch die Herkunft über den Bildungserfolg von Kindern. Der Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau der Eltern und dem ihrer Kinder ist in Deutschland stark ausgeprägt.

Es ist mir wichtig, dass in Deutschland jedes Kind, gleich welcher sozialen Herkunft, die Möglichkeit hat, die Bildungswege einzuschlagen, die das eigene Potential verwirklichen helfen […].
aus einer Online-Antwort vom 22. August 2015

Der Indikator Bildungsmobilität zwischen Eltern und Kindern vergleicht den höchsten allgemeinbildenden Schulabschluss der Eltern mit dem ihrer Kinder.

Der Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau der Eltern und dem ihrer Kinder ist in Deutschland stark ausgeprägt. Gut sieben von zehn Kindern, von denen mindestens ein Elternteil Abitur oder Fachhochschulreife hat, erreichen diesen Abschluss ebenfalls. Der Anteil von Jugendlichen, die das Bildungssystem ohne formalen Abschluss verlassen, ist in diesen Familien sehr gering.

Andererseits belegen die Zahlen auch: Viele Kinder schaffen den Aufstieg im deutschen Schulsystem. Gerade in bildungsfernen Familien, in denen kein Elternteil einen Schulabschluss hat, ist die aufwärtsgerichtete Bildungsmobilität am größten: Gut 80 Prozent der Kinder machen qualifizierte Abschlüsse, rund 24 Prozent erreichen sogar die Fachhochschulreife oder das Abitur. Blickt man auf die vergangenen 20 Jahre zurück, so zeigt sich eine deutlich positive Entwicklung. Im Jahr 2016 schaffte knapp jedes vierte Kind von Eltern ohne Schulabschluss die Hochschulreife. Zwanzig Jahre früher war es nur etwa jedes 13. Kind.

Es bleibt weiterer Handlungsbedarf. Denn immer noch verlässt jedes fünfte Kind aus bildungsfernem Elternhaus die Schule ohne Abschluss und hat damit schlechtere Aussichten auf gute Arbeit, ein befriedigendes Einkommen, kurz auf ein gutes Leben.

Bildungsmobilität zwischen Eltern und Kindern 2016
Bildungsmobilität zwischen Eltern und Kindern 1995

Bei den Familien mit Migrationshintergrund ist das Bild gemischt. In Familien in denen mindestens ein Elternteil die Hochschulreife hat, gibt es überdurchschnittlich viele Kinder, die zunächst einen Haupt- oder Realschulabschluss schaffen oder die Schule ohne Abschluss verlassen. Erfreulich ist hingegen, dass überdurchschnittlich vielen Kindern mit Migrationshintergrund, deren Eltern keinen Schulabschluss haben, der Sprung zu einem Haupt- und Realschulabschluss oder gar zur Fachhochschul- oder Hochschulreife gelingt. Es ist daher von hoher Priorität, den nach wie vor bestehenden Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildungserfolg weiter abzubauen.

Bildungsmobilität zwischen Eltern und Kindern in Familien mit Migrationshintergrund 2016

Ein umfassendes Bild der Bildungsmobilität entsteht erst beim Blick auf den gesamten Bildungsverlauf eines jungen Menschen. Dabei sollten neben allgemeinbildenden Schulabschlüssen auch berufliche und akademische Qualifikationen einbezogen werden. Dies ist insbesondere wichtig, um das international anerkannte System der dualen Ausbildung und seinen wesentlichen Beitrag zur geringen Jugendarbeitslosigkeit und Chanceneröffnung für die junge Generation abzubilden.

Was tut die Bundesregierung?

Mit dem BAföG sorgt die Bundesregierung dafür, dass junge Menschen sich gute Bildung leisten können, unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern. Seit 2015 finanziert der Bund das BAföG alleine. Im Herbst 2016 werden die Leistungen um 7 Prozent erhöht.

Neue Perspektiven durch Weiterbildung

Bildung hört nicht mit der Schule, mit der Ausbildung oder dem Studium auf. Mehr und mehr Menschen wollen auch danach dazulernen - für den Beruf, aber auch um sich persönlich weiter zu entwickeln. Aus eigener Erfahrung bewerteten die Dialogteilnehmer den Sinn und Zweck beruflicher Weiterbildung zumeist positiv.

Ich glaube, die größte Chance ist das lebenslange Lernen - gerade bei der Digitalisierung.
aus dem Bürgerdialog des BMWi in Magdeburg am 7. Juli 2015

Der Indikator Beteiligung an Weiterbildung zeigt den Anteil der 18- bis 64-Jährigen, die innerhalb der letzten zwölf Monate an einer betrieblichen, einer individuell berufsbezogenen bzw. nicht-berufsbezogenen Weiterbildung teilgenommen hat.

Weiterbildungsbeteiligung nach Altersgruppen 2007 und 2016

Im Jahr 2016 traf dies auf die Hälfte der 18- bis 64-Jährigen zu. Im Jahr 2007 beteiligten sich nur 43 Prozent an Weiterbildung. Die Zunahme erfolgte über alle Altersgruppen hinweg. Besonders ausgeprägt war der Anstieg bei den 55- bis 64-Jährigen mit 17 Prozentpunkten. Lebenslanges Lernen ist angesichts des technischen Fortschritts und der alternden Gesellschaft heute wichtiger denn je. Davon zeugen auch die Weiterbildungsaktivitäten der 65- bis 69-Jährigen die 2016 erstmals befragt wurden. In dieser Gruppe hat sich jeder Fünfte weitergebildet, vorwiegend im Bereich der nicht-berufsbezogenen Weiterbildungen.

Unternehmen sind der wichtigste Ort der Weiterbildung in Deutschland. Im Jahr 2016 finden hier 71 Prozent der erfassten Weiterbildungsaktivitäten statt. Zehn Prozent der Weiterbildungen sind individuell-berufsbezogen, 20 Prozent sind nicht-berufsbezogen. Die Schwerpunkte der Weiterbildungsaktivitäten unterscheiden sich nach Form der Weiterbildung. Überwiegen bei betrieblichen und berufsbezogenen Weiterbildungen die Themen Wirtschaft, Arbeit, Recht sowie Natur, Technik und Computer, sind es bei den nicht-berufsbezogenen Weiterbildungen Sprache, Kultur und Politik.

Themenstruktur der verschiedenen Formen der Weiterbildung 2016

Was tut die Bundesregierung?

Erwachsenen, die sich weiterbilden wollen, eröffnet etwa das Bundesprogramm Bildungsprämie oder das „Aufstiegs-BAföG“ neue Perspektiven. Die Bundesregierung berät Bürgerinnen und Bürger, die sich weiterbilden möchten, mit einem Telefonservice.

Fussnoten

  1. 1

    Die geringfügigen Abweichungen zwischen den von Eurostat veröffentlichten und den nationalen Kennzahlen sind auf methodische Unterschiede in den Berechnungen zurückzuführen.

    ↩︎

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